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V. e) Dora Diamant (Dymant)
(* 1902 in Polen; + im August 1952 in London)
Von Anfang Juli bis zum 6. August 1923 machte Kafka mit seiner Schwester
Elli und ihren Kindern Ferien in Müritz an der Ostsee. Dort lernte er in
einer Kinderkolonie des Berliner Jüdischen Volksheims eine der Helferinnen
näher kennen: Dora Diamant. Was er sich einmal vorgestellt hatte:
“Einen haben”, der “Verständnis für mich im Ganzen
hat”, “etwa eine Frau, das hieße Halt auf allen Seiten haben,
Gott haben”, glückte ihm mit Dora; keine
fordernd-überwältigende Liebe wie die Milenas, eine fürsorgliche
vielmehr: Kafka wird sich von Dora (die er heiraten wollte, doch verweigerte ihr
frommer Vater die Einwilligung) “gut und zart behütet”
fühlen, “bis an die Grenzen irdischer Möglichkeit”. Dora,
knapp 20 Jahre alt, Ostjüdin, in jüdischer, den Gottesbund wahrender
Tradition erzogen, des Jiddischen und Hebräischen mächtig, wegen der
Progromsituation aus Polen in den Westen geflüchtet, bot ihm den seelischen
und materiellen Rückhalt, den er mit seiner Krankheit brauchte, um noch
einmal Freiheit von seiner elterlichen Familie zu gewinnen. Die
Palästina-Pläne, fast bis zur Verwirklichung durchgespielt, erscheinen
plötzlich in dem Versuch, mit Doras Hilfe in Berlin zu leben, weniger
erledigt als aufgehoben: Berlin wurde Kafkas Ersatz für
Palästina.
1933 beschlagnahmte die geheime Staatspolizei in der Wohnung Dora Diamants
eine Stapel Manuskripte Kafkas, die heute als verschollen gelten
müssen.
Quellen
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